Verweigerer. Eine Wunsch Zielgruppe für Österreichische Tageszeitungen



Im Interview mit Nina Werlberger sieht diese eine Personengruppe mit gleichen Merkmalen auf der politischen Landkarte Österreichs: Die Verweigerer. `Menschen die sich nicht für politische Inhalte interessieren´und diese bewusst vermeiden. Einfach von Nichtwählern zu unterscheiden sind sie für Nina Werlberger dennoch nicht. Auf die Frage was den der Unterschied zwischen den beiden Personengruppen ist antwortet diese:

Es gibt unter Verweigerern politische Ideologen, die immer wählen, die aber bewusst keine Zeitung mehr lesen bzw. bewusst keine Fernsehnachrichten mehr ansehen. Auf der anderen Seite gibt es auch apolitische Stammwähler. Menschen, die aus einer Gewohnheit heraus wählen gehen, aber sich eigentlich schon lange nicht mehr für Inhalte interessieren. Verweigerer können auch Medienbeobachter sein, können zwei bis drei Zeitungen abonniert haben, und blenden aber politische Inhalte komplett oder teilweise aus.

Politische Medienbeiträge werden von diesen Menschen einfach ausgeblendet. Verweigerer finden sich in allen Bildungsschichten und es werden immer mehr. Politikverdrossenheit in allen Teilen der Bevölkerung macht Verweigerer zur wachsenden Gruppierung.

Nun attestiert diese Analyse einen Bedarf an Erklär Journalismus in dieser Zielgruppe die von ´reißerische Überschriften oder inhaltsleere Meinungsmache´ genug hat. Ein Orientierungsbedarf wird festgestellt und als Zielsetzung für einen dementsprechenden Journalismus propagiert. Das vorallem die jüngere Wählerschaft und Frauen im speziellen damit angesprochen werden soll ist nicht überraschend ist es doch gerade diese Gruppe die ´politikverdrossen´und ´medienverbittert´ sind. ´Die Politiker könnten Konflikte und Streit anders darstellen´ meint Frau Werlberger denn ´die Rezipienten durchschauen Scheinevents und Inszenierungen´was wiederum verweigerungsfördernd wirkt.

Oft ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Und so ist es auch bei Frau Werlberger. Nehmen wir als Beispiel die Bundespraesidentschaftswahl 2010 und versuchen wir dort die Gruppe der Verweigerer zu finden. Mit 53,2% Wahlbeteiligung ist genug Raum um Verweigerer aufzuspueren. Als Gruende fuer die niedrige Wahlbeteiligung gibt das Meinungsforschungsinstitut SORA ‘fehlendes Kandidatenangebot’ und ‘Protest und Entauuschung ueber die Politik’ an. Vorallem bei Frauen und unter der jungen Bevoelkerungsschicht macht sich dieses Symptom bemerkbar. Die indirekte Forderung an die Politik ist dieselbe wie Frau Werlberger’s Forderung an einen Erklaer Journalismus: Qualitative Angebote zugeschnitten an die Beduerfnisse der Zielgruppe.

Sieht man aber vom Wunschdenken der Marktfoschungsinstitutionen und Journalisten hinweg tut sich ein anderes Bild auf. Ein ´programmierter Gewinner´ dessen Werbebudgeth doppelt so groß ist wie das der beiden Gegenkandidaten zusammengerechnet, ein Wahlkampf der knapp ein Monat andauert und bei dem es um ´Werte´ ging und dem 41% (der ISA Befragung eine Woche vor der Wahl) als ´unwichtig´ 21% ´gleichgültig´ gegenüberstanden wirft ein anderes Licht auf das Scheinevent und die Inszenierung in den Medien. Die Österreicher `wollen keinen Realpolitiker´ meint Wolfgang Unterhuber vom Wirtschaftsblatt und Frau Daniela Kittler vom Kurier hätte sich ´mehr Inhaltliche Impulse´ von Heinz Fischer erwartet. All das wirft ein anderes Bild auf eine Demokratie die mit dem Amt des Bundespräsidenten die ´Vorteile einer Demokratie mit dem der Monarchie´ zu verbinden versucht.

Betrachten wir nun die Lösungen die Frau Werlsberger andenkt um Verweigerer wieder zurück ins Boot zu holen und fragen uns warum reißerische Überschriften oder inhaltsleere Meinungsmache soviel an öffentlichen Raum einnehmen. Die Antwort darauf kann Stefan Bachleitner oder Herbert Kickl geben, Wahlkampfmanager Heinz Fischer´s und HC Strache. Wahlkämpfe müssen emotionalisieren um zu mobilisieren. Es müssen die Emotionen, Ängste, Wünsche und Phantasien der WählerInnen angesprochen werden damit diese zur Wahl geht. Mit Inhalten gewinnt niemand Wahlen und hat auch noch nie jemand in der Alpenrepublik. Diese Weisheit kommt von Edward Bernay, einem Österreicher und Begründer der Öffentlichkeitsarbeit.

Der Punkt ist das inhaltsleere Meinungsmache und Scheinevents zum täglichen Geschäft, nicht nur von politischer Kommunikation gehören. Das Journalisten dagegensteuern und mit qualitativ hochwertigen Informationsangeboten Verweigerer umstimmen können ist keine Antwort auf die Frage warum es überhaupt Verweigerer gibt. In Werlberger´s Frage spiegelt sich das Selbstbildniss eines Journalismus der sich als Beschützer der Demokratie sieht und Angesichts der sinkenden Wahlbeteiligung seine Change sieht. Verweigerer die auf politische Propaganda mit Ablehnung reagieren und diese einfach ausblenden müssen auf andere Weise mobilisiert werden! Neue Formate verlangen nach neuen Zielgruppen. Und da ist es eben einfacher eine Zielgruppe zu erfinden als sich mit den Ursachen ihres zustandekommens auseinanderzusetzen. Zu behaupten das sich nur die re-presentation politischer Kommunikation ändern muss um diese Zielgruppe anzusprechen ist fadenscheinig naiv zeigt aber einen anderen Blinden Fleck im Selbstbildniss auf. Das Frau Werlsberger das ´Machen von Politiknachrichten´ nicht neu erfinden kann täuscht über die gängigen Praktiken der Politikberichterstattung in Print- und Funkmedien hinweg welche eng an die Arbeitsbedingungen von Journalisten geknüpft sind. Wie diese im Detail aussehen beleuchtet das Journalisten Barometer 2004

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